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Rettungsaktion

​Es war, nach dem Aufbau, der erste Arbeitseinsatz an der Anlage. Ich war gerade tief versunken in meiner Arbeit in der Anlage, als die Stille im Wald jäh unterbrochen wurde. Ein kleines Mädchen kam auf mich zugerannt, die Augen weit aufgerissen, die Atmung hektisch. Sie wirkte völlig aufgelöst.

​„Arbeitest du hier?“, sprudelte es aus ihr heraus.

​Ich sah auf. „Ja, das tue ich. Was ist denn los?“

„Schnell! Da vorne! Da liegt ein Mann! Ein Tourist! Er liegt im Wasser!“

​In diesem Moment schoss mir das Adrenalin in die Glieder. Mein Kopf raste: Ein Tourist im Bach? Ist jemand über das Geländer gestürzt? Wie tief ist das Wasser dort gerade? Doch nicht oben an der Quelle? Ich ließ alles stehen und liegen. „Zeig mir wo!“ rief ich, und wir rannten los. Während ich die Treppen nach oben hastete, ging ich im Geist schon die Erste-Hilfe-Maßnahmen durch und hoffte inständig, dass nichts Schlimmeres passiert war.

​Doch auf halber Strecke blieb das Mädchen plötzlich stehen. Sie streckte den kleinen Arm aus und deutete mit absolutem Ernst auf einen Punkt im Bachlauf.

„Da!“, sagte sie triumphierend. „Siehst du? Er ertrinkt!“

​Ich folgte ihrem Finger und blieb wie angewurzelt stehen. Mein Puls, der gerade noch auf 180 war, beruhigte sich schlagartig. Dort unten, in unserem kalten, glasklaren Bächlein, lag er: Ein winziges Playmobil-Männchen vom Grossmodell “Freischiessen”. Ein Mitglied der Garde-Weiß, seinen Zweisspitz noch dem Kopf, sein Säbel lag neben ihm und er starrte mit seinem typischen Plastik-Lächeln in den Himmel.

​Ich musste tief durchatmen, um nicht laut loszulachen – teils aus Erleichterung, teils wegen der herrlich absurden Situation.

​„Oh weh“, sagte ich und versuchte, so ernst wie möglich zu klingen. „Da hast du recht. Das ist ein Notfall für die Mini-Wasserwacht. Danke, dass du mir Bescheid gesagt hast.“

​Ich fischte den kleinen „Touristen“ vorsichtig aus seinem nassen Grab und klopfte ihm symbolisch den Rücken ab. Das Mädchen wirkte sichtlich erleichtert, dass die Rettungsaktion geglückt war.

Fazit des Tages:

Manchmal sind die größten Dramen nur fünf Zentimeter groß – aber die Hilfsbereitschaft einer kleinen Entdeckerin ist dafür riesengroß.